Deutscher Gewerkschaftsbund

31.03.2015

Zwischen Widerstand und Wiederaufbau – Wiesbaden vor 70 Jahren

Lange Zeit wurde hierzulande die Mär einer "Stunde null" verbreitet, um die unmittelbare Anfangsphase des demokratischen Neubeginns 1945/46 von der vorherigen NS-Gewaltherrschaft abzugrenzen. Bei sorgfältiger Betrachtung des Geschehens lassen sich aber geradezu überwältigende Kontinuitätslinien nachweisen, welche jene Umbruchzeit mit dem zuvor gegen die NS-Gewaltherrschaft geleisteten Widerstand verbunden haben. So konnte in Wiesbaden beispielsweise im März 1945 die Durchführung der Räumungs- und Zerstörungsbefehle der damaligen braunen Machthaber durch einige mutige Bürger aus dem Umfeld des alsbaldigen CDU-Kämmerers Heinrich Roos vereitelt werden. Diese kooperierten hierbei sogar mit Oberst Wilhelm Karl Zierenberg, dem letzten Kampfkommandanten der Stadt. Sofort nach Einmarsch der US-Verbände wurde sodann ein überparteilicher Aufbau-Ausschusses als Vertretung aller hiesigen antinationalsozialistisch positionierten Kräfte gebildet. Dessen führende Vertreter hatten zuvor mehrheitlich der bürgerlich-liberal dominierten Widerstandsgruppe um  Heinrich Roos angehört. Auch jene, die sich nun nicht minder zügig an die  Rekonstruktion der Arbeiterorganisationen machten, hatten in ihrer überwiegenden Mehrheit vordem konspirativ gegen das "Dritte Reich" gearbeitet. Bereits nach wenigen Monaten konnte der Aufbau-Ausschuss in den paritätisch besetzten Bürgerrat umgewandelt werden mit Johannes Maaß, dem Nestor des Wiesbadener Volkshochschulwesens, an der Spitze. Und am 26. Mai 1946 durften endlich auch die ersten freien Stadtverordnetenwahlen durchgeführt werden. Während die sonstigen Parteien an der seinerzeitigen 15-Prozent-Hürde gescheitert waren, einigten sich CDU und SPD, die beiden Wahlgewinner, darauf, die Bewältigung der zahllosen drängenden Probleme jener Zeit mit einer Koalitionsregierung tatkräftig in Angriff zu nehmen.

Referent: Dr. Axel Ulrich
Veranstalter: vhs Wiesbaden, Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Wiesbaden, DGB-Geschichtswerkstatt und Kulturamt Wiesbaden, Stadtarchiv 

Montag, 4. Mai 2015 um 19 Uhr, Rathaus Wiesbaden, Stadtverordnetensaal


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