Deutscher Gewerkschaftsbund

05.11.2015

Integrationsführerschein für Flüchtlinge - moralisch fragwürdig

Der Vorsitzende des DGB Stadtverbandes Frankfurt am Main, Harald Fiedler, hält nichts von dem Vorschlag des Frankfurter Kirchendezernenten Flüchtlingen einen Integrationsführerschein aufzuerlegen. Stattdessen wäre es besser das vorhandene Geld für mehr Sprach- und Integrationskurse, mehr Lehrkräfte und eine schnellere Vermittlung in den Arbeitsmarkt einzusetzen. Den „Führerscheinvorschlag“ bezeichnete er als moralisch fragwürdig.

„Wenn schon Menschen ihre Integrationsleistung per Test nachzuweisen haben, dann soll das bitte für alle gelten, so Fiedler. „Denn gerade in den vergangenen Monaten hätten viele Deutsche bei Hetzkampagnen gegen Ausländer gezeigt, was sie von den in der Verfassung verankerten Grundwerten hielten. Wenn, dann wäre eher für diese ein Integrations- oder Demokratieführerschein angezeigt. „

Fiedler störte sich an der pauschalen Unterstellungen, die Integrationskurse für Flüchtlinge würden nicht auf ausreichendes Interesse stoßen. „Wer nur für den Test lernt, der ist auch nach bestandener Prüfung nicht integriert“, so Fiedler. Als besonders problematisch bewertet er die hergestellte Verbindung des Testerfolgs mit der Grundfrage des Aufenthaltes. Dies würde ja bedeuten, so Fiedler, dass das Asylrecht nur für Menschen ohne Prüfungsangst und mit ausreichender Bildung gelten könne.“

„Ich warne vor falscher Stimmungsmache. Es ist nicht die Zeit für unausgegorene Ideen, denn Worte können viel kaputt machen“, zeigte sich der DGB-Chef besorgt. „Ich empfehle“, so Fiedler weiter, „allen Mandatsträgern und Demokraten stattdessen die gestern vom Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main auf den Weg gebrachte „Charta des Willkommens“ zu unterzeichnen und mit Leben zu füllen.“


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