Deutscher Gewerkschaftsbund

Frauen 2006-2008

DGB Frauen 2006 - 2008

Zum Schwerpunkt der Arbeit der DGB-Frauen gehören die traditionellen Frauentage, die in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der Frankfurter Frauenverbände durchgeführt wurden. Der beachtliche Zuspruch zeigt, dass die Frauen damit den Interessen und Bedürfnissen der Kolleginnen entsprachen. Der Internationale Frauentag 2006 stand unter dem Motto: "Gleich gestellt - doppelt stark!" Endlich kommt neuer Schwung in die Familienpolitik. Die Kinderbetreuung soll ausgebaut werden. Junge Eltern sollen steuerlich entlastet werden. Zur Elternzeit soll auch das Elterngeld kommen. Richtige Schritte, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf endlich zu verbessern.

Doch Frauenpolitik ist mehr und kein bloßes Anhängsel der Familienpolitik. Wir wollen gleiche Chancen und Bedingungen für Frauen - nicht nur für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch für Ausbildung und Arbeitsplatz, berufliche Entwicklung und soziale Sicherung. Der Internationale Frauentag begann wieder vor Frankfurter Betrieben. Es folgten eine Kundgebung sowie eine Demonstration an der Hauptwache. Im DGB-Haus begann der "Markt der Möglichkeiten/ -Präsentation von Fraueninitiativen und Frauenverbänden". Der Tag wurde umrahmt von Hilde Wackerhagen, dem "Frauen-Kabarett" und dem "Choralle", Frankfurts erster gemischter Frauenchor. Den Abschluss bildete eine Frauendisco im DGB-Jugendclub.

Die DGB-Frauen hatten ferner im Berichtsjahr zu einer Veranstaltung mit der Frauenrechtlerin Serap Ciceli eingeladen. Der Titel der Veranstaltung war: "Keine Morde im Namen der Ehre". Serap Çileli ist eine deutsche Schriftstellerin türkischer Abstammung. Die Frauenrechtlerin und Aktivistin gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde, war im Alter von fünfzehn Jahren selbst zur Ehe gezwungen worden. Lange Jahre hatte sie allein und als eine der ersten Frauen überhaupt für die Rechte der islamischen Frauen und um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für dieses brisante soziale Problem gekämpft. Heute ist sie zu einer gefragten Expertin und Ratgeberin für andere türkische Frauen in Not geworden.

Die DGB-Frauen Doris Eckhardt und Gabriele Schmitt berichteten in einer weiteren Veranstaltung über: "Ursachen und Hintergründe der Migration von Frauen".

Die DGB Frauen führten zum Internationalen Frauentag 2007 eine Veranstaltung mit dem Titel "Der dreißigste Geburtstag von Emma oder: Feminismus in Zeiten der Globalisierung" durch. Hintergrund war, in Deutschland haben gut gestellte Frauen eine Debatte über einen "neuen Feminismus" begonnen. Gefeiert wird zum Beispiel, dass nun eine Frau Kanzlerin ist. Die Inhalte der Politik von Frau Merkel werden wenig hinterfragt. Auf der anderen Seite sind Millionen Frauen erwerbslos und Hartz IV ausgesetzt. Andere arbeiten unterbezahlt, stehen unter enormen Druck, um alleine dafür zu sorgen, Kinder, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Referentin war, Ellen Diederich, Friedensarbeiterin, Publizistin, Fotografin und Koordinatorin des Internationalen Frauenfriedensarchivs Fasia Jansen e.V.

Der Internationale Frauentag 2007 stand unter dem Motto: "Weitergehen! Zwei Schritte vor. Keinen zurück". Die Große Koalition beschloss endlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und auch das frisch eingeführte Elterngeld kam unseren langjährigen Forderungen in Teilen entgegen. Doch trotz der beginnenden Einsicht, dass mehr getan werden muss für Kinderbetreuung sowie gegen Diskriminierung und prekäre Beschäftigung, ist der Weg zur Gleichstellung der Frau in Familie und Beruf noch weit. Nutzen wir das europäische Jahr der Chancengleichheit, das für 2007 ausgerufen wurde, so die DGB-Frauen. Wir streiten weiter für notwendige Veränderungen – lokal und global! Frauenpolitik in unserem Sinn steht für mehr als nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Frauen wollen eigenständig am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Der Internationale Frauentag begann wie in den Vorjahren mit Aktionen der Frauen in Frankfurter Betrieben. Es folgte der "Markt der Möglichkeiten/Präsentation von Fraueninitiativen und Frauenverbänden" im DGB-Haus. In diesem Jahr wurde auch die Ausstellung "1901 bis 2000 / 100 Jahre Nobelpreisträgerinnen" gezeigt. Es sprach Jetty Sabandar von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen. Der Frauentag wurde von Pavaneh Hamidi, einem Kabarett aus dem Iran und Hick Hack, dem Frauenkabarett "Best of Hick Hack", kulturell umrahmt. Der Internationale Frauentag 2007 fand seinen erfolgreichen Abschluss mit der Frauendisco mit Gabi Theissen im DGB-Jugendclub.

In Deutschland leben 3,5 Millionen Muslime. Wir begegnen ihnen täglich: im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft. Doch was wissen wir eigentlich über sie? Was wissen wir vor allem über muslimische Frauen in Deutschland? Schlagzeilen machen Zwangsheirat und Ehrenmorde, Anfeindungen und Bedrohungen von islam-kritischen Frauen. Außerdem ist das Kopftuch immer noch ein brisantes und strittiges Thema. Diese und andere Fragen wurden auf der Veranstaltung "Frauen im Islam - Zwischen Tradition und Moderne" diskutiert. Referentin war die Historikerin Dr. Mariam Ardalan.

"Ich bin mehr wert", war das Motto des Internationalen Frauentages 2008, der traditionell wieder im DGB-Haus durchgeführt wurde. "Arbeit ist gut, gute Arbeit besser" doch Frauen schuften häufig über die Maßen und unter Wert. Immer mehr Frauen gehen einer Erwerbstätigkeit nach und die Haus-, Familien- und Fürsorgearbeit bleibt meist zusätzlich an ihnen hängen. Mit allen Nachteilen: Frauen sind mehrfach belastet und oft rund um die Uhr eingespannt, sie haben auf dem Arbeitsmarkt die schlechteren Karten. Von gleicher Entlohnung für gleichwertige Arbeit etwa können Frauen noch immer nur träumen: Frauen werden im Vergleich zu den Männern europaweit fast am schlechtesten bezahlt. So geht das nicht weiter, die Arbeitsleistung jeder einzelnen Frau ist mehr wert! Vermeintlich "typische" Frauenberufe müssen endlich angemessen entlohnt werden, sei es die Betreuung von Kindern oder die Pflege von alten und kranken Menschen: Diese körperlich und seelisch beanspruchende Arbeit sollte der Gesellschaft mehr wert sein. Es ist gut, die Arbeitsbedingungen in den Unternehmen familiengerecht zu gestalten, doch das allein reicht nicht. "Wir wollen gute Arbeit und guten Lohn", so weit aus den Aufrufen und Erklärungen. Nach den Aktionen in Frankfurter Betrieben begann der historischer Frauenspaziergang durch Frankfurt. Im Frauen-Cafe im DGBHaus sprach Marita Eilrich, die Frauensekretärin des DGB Hessen-Thüringen. Zum Abschluss trat das Frauenkabarett KonDUETTina mit seinem Programm "Oper auf Rädern" auf.

"Frauen und prekäre Beschäftigung - Prekäre Arbeit-Prekäres Leben", war der Titel der Veranstaltung der DGB-Frauen mit Prof. Dr. Ursula Schumm-Garling. Die Unsicherheit von Arbeits- und Lebensverhältnissen nimmt zu und ist damit verbunden, dass sich die mit der Erwerbsarbeit verknüpften sozialen Sicherheitsstandards zunehmend auflösen. Dies betrifft nicht nur Frauen, jedoch die Frauen mit besonderer Härte. Für viele Frauen ist diese Situation nicht neu. Setzte doch ab den 60er bis weit in die 80er Jahre das "Normalarbeitsverhältnis" das männliche Familienoberhaupt und die "dazuverdienende Frau" voraus. Mit der Deregulierung und Flexibilisierung aller Beschäftigungsverhältnisse gerät das traditionelle Arrangement ins Wanken. Diskutiert wurden die Gründe für die sich verschärfende Situation, die Ausprägung von Prekarität und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Lebensbereiche. ICH BIN MEHR WERT! Frauen verdienen 22% im Durchschnitt weniger als Männer. Deutschland ist unter den europäischen Staaten fast das Schlusslicht. Das muss nicht sein. Frauen haben das Recht auf gleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit. Karriereknick und schlechtbezahlte Teilzeitarbeit sind ein großes Problem für Frauen. Das muss nicht sein. Frauen haben ein Recht auf flexible Arbeitszeiten, geteilte Elternzeit und ganztägige Kinderbetreuung. Während in anderen Ländern Frauen immer mehr Führungspositionen übernehmen, geraten Frauen in Deutschland immer wieder an die gläserne Decke. Das muss nicht sein. Frauen haben ein Recht auf faire Aufstiegschancen. Im Rahmen der frauenpolitischen Offensive des DGB führten die DGB-Frauen zu diesem Themenbereich in 2008 eine Aktion auf der Hauptwache durch.


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