Deutscher Gewerkschaftsbund

08.01.2014

Vortrag von Axel Ulrich am 3. Februar 2014: Gewerkschaftlicher Widerstand gegen das „Dritte Reich“ im Rhein-Main-Gebiet

Das Wissen um den gegen die Hitler-Diktatur geleisteten Widerstand ist in unserer Gesellschaft erkennbar im Schwinden begriff en in letzter Zeit. Dass dieser eben nicht nur von einigen wenigen mutigen NS-Gegnern geleistet wurde, sondern von Tausenden und Zehntausenden antinazistisch stabil gebliebenen Deutschen, wird zunehmend mit Staunen, wenn nicht mit Ungläubigkeit zur Kenntnis genommen. Auch die von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern auf vielfältige Weise entfalteten Widerstandsaktivitäten drohen heute, da uns keine Zeitzeugen hierzu mehr zur Verfügung stehen, in Vergessenheit zu geraten.

Das Rhein-Main-Gebiet war eine der widerstandsintensivsten Regionen Deutschlands überhaupt. Neben den 1933 illegalisierten Arbeiterparteien haben auch dort etliche Organisationsfragmente der gleichfalls vollständig unterdrückten Gewerkschaften dennoch recht bald die konspirative Arbeit gegen das NS-Regime aufgenommen. Hierzu gehörten junge Angestelltengewerkschafter ebenso wie Funktionäre des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, christliche Gewerkschafter ebenso wie Mitglieder des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. Eine besondere Widerstandsstruktur, welche der zivilen Flankierung des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 hätte dienen sollen, ist seit etwa Mitte der 1930er-Jahre vom Holzarbeitergewerkschafter und vormaligen hessischen Innenminister Wilhelm Leuschner geschaffen worden.

Dessen reichsweites, in der Hauptsache von sozialdemokratischen, christlichen und liberalen Gewerkschaftern getragenes Vertrauensleutenetzwerk war besonders gut verankert im industriellen Ballungsraum um Frankfurt, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden. Viele der nach dem Scheitern der Aktion vom „20. Juli“ von den Nazi-Fahndern nicht entdeckten Mitstreiter des am 29. September 1944 hingerichteten Leuschner, so z.B. Willi Richter, gehörten zu jenen, die sich nach der Befreiung vom NS-Unrechtsregime sofort daran gemacht haben, hierzulande eine neue Demokratie zu errichten, die sich diesmal zum Glück als stabil erwiesen hat.

Über den Referenten: Der 1951 in Wiesbaden geborene Politikwissenschaftler ist Mitarbeiter unseres Stadtarchivs und betreut u.a. die KZ-Gedenkstätte „Unter den Eichen“. Er ist Mitglied des Stiftungsrates der Wilhelm-Leuschner-Stiftung in Bayreuth. Zum antinazistischen Widerstand vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz hat er zahlreiche Schriften veröffentlicht.

Montag, 3. Februar, 19 Uhr
Rathaus, Raum 22
Eintritt: frei

Veranstalter: DGB-Geschichtswerkstatt Wiesbaden, Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, Kulturamt Wiesbaden – Stadtarchiv

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "27. Januar: Erinnern an die Opfer"


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