Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 047 - 26.07.2012

DGB Frankfurt: Beschäftigte haben immer noch hohes Entlassungsrisiko

22.492 Beschäftigte in der Stadt Frankfurt haben nach Berechnungen des DGB im vergangenen Jahr ihren regulären Job verloren und sind arbeitslos geworden. Sie mussten sich unmittelbar nach einer sozialversicherten Beschäftigung arbeitslos melden.

„Trotz guter Konjunktur und steigender Klagen von Unternehmen über Fachkräftemangel hat fast jeder/jede zwanzigste sozialversichert Beschäftigte in der Stadt Frankfurt in 2011 den Job verloren“, so der DGB-Vorsitzende der Region Rhein-Main, Harald Fiedler. Zuletzt wurden in Frankfurt  497.202 sozialversichert Beschäftigte gezählt. Gemessen daran sind im Laufe des Jahres 2011 in Frankfurt 4,5 Prozent der Beschäftigten arbeitslos geworden. In einigen Branchen werde immer noch zu wenig getan, um Fachkräfte zu halten und ihnen gute und stabile Beschäftigungschancen zu eröffnen. Auch der gestiegene Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse zeige, dass die Konkurrenz der Betriebe um gute Fachkräfte längst nicht überall sehr intensiv sein kann, so die gewerkschaftliche Kritik. Bundesweit sei fast jede zweite Neueinstellung befristet.

Schaubild:

Risiko aus sozialversicherter Beschäftigung heraus in 2011 arbeitslos zu werden – bezogen auf Beschäftigtenbestand von Juni 2011 in der Stadt Frankfurt, in Prozent

Quelle: Berechnungen des DGB-Region Rhein-Main auf Basis der BA-Beschäftigtenstatistik sowie einer gewerkschaftlichen Sonderauswertung der BA-Zugangsstatistik in Arbeitslosigkeit im Jahr 2011

Auch zwischen den Branchen gebe es deutliche Unterschiede in der Personalpolitik und der Stabilität der Arbeitsverhältnisse. So sei das Entlassungsrisiko im verarbeitenden Gewerbe auch in der Stadt Frankfurt deutlich niedriger als in anderen Branchen. Dabei muss sich diese Branche – aufgrund des hohen Exportanteils – der internationalen Konkurrenz in besonderer Weise stellen. In dieser Branche sind im letzten Jahr 727 Beschäftigte arbeitslos geworden, bei einem Beschäftigungsstand von im Schnitt 30.900 sozialversichert Tätigen. In anderen – stärker auf die Nachfrage in unserer Stadt ausgerichteten Wirtschaftszweigen – ist das Risiko des Arbeitsplatzverlustes deutlich höher. Allein im Gastgewerbe haben in 2011 fast 1.700 Arbeitskräfte den Job verloren. Mehr als jede zwölfte sozialversicherte Arbeitskraft hat 2011 im Gastgewerbe den Job verloren. Das Entlassungsrisiko im Gastgewerbe ist überdurchschnittlich hoch und zwar fast doppelt so hoch wie im Schnitt aller Branchen. Im Gastgewerbe spielen Befristungen eine sehr große Rolle. In der Leiharbeit ist das Arbeitsplatzrisiko noch höher. Hier ist innerhalb eines Jahres bereits fast jede fünfte Leiharbeitskraft arbeitslos geworden. Das Risiko der Arbeitslosigkeit ist für beschäftigte Leiharbeitskräfte damit mehr als vier Mal höher als für Beschäftigte in Frankfurt insgesamt. Diese absolut hohe Personalfluktuation zeigt, dass Heuern und Feuern im Verleihgewerbe immer noch an der Tagesordnung ist und Verleiher personalpolitische Risiken schnell auf die Sozialsysteme verlagern. „Instabile und prekäre Beschäftigung tragen nicht zum Abbau eines Fachkräftemangels bei, sondern verschärfen ihn eher“, so Harald Fiedler.

Betriebe mit hoher Personalfluktuation und hohem Entlassungsrisiko engagieren sich kaum in der betrieblichen Weiterbildung.

Tabelle 1:

Sozialversichert Beschäftigte und Arbeitslosigkeit nach Beschäftigung
in der Stadt Frankfurt 2011

 

 

Zugang in Arbeitslosigkeit nach sozialversicherter Beschäftigung

am 1. Arbeitsmarkt

 

Sozialversichert Beschäftigte

Juni 2011

Insgesamt

Zugang in ALO je 100 sozialvers. Beschäftigte

Ø     Verarbeitendes Gewerbe

30.856

727

2,4

Ø     Gastgewerbe

20.171

1.693

8,4

Ø     Verleihgewerbe

15.242

2.808

18,4

Ø     Insgesamt

497.202

22.492

4,5

Quelle: Berechnungen des DGB Region Rhein-Main auf Basis der BA-Beschäftigtenstatistik sowie einer gewerkschaftlichen Sonderauswertung der BA-Zugangsstatistik in Arbeitslosigkeit.

 


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

DGB Büro in Frankfurt am Main