Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 216 - 06.03.2020

DGB: Gedenkstätte für KZ in den Adlerwerken längst überfällig, Verhinderungstaktik von Grünen und CDU "beschämend"

„Es ist beschämend, dass 75 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus und 30 Jahre nach den ersten Versuchen zur Einrichtung einer Gedenkstätte für das KZ in den Adlerwerken überhaupt noch diskutiert werden muss, ob das angemessen ist. Nachdem ein Gedenkort dort jahrelang verhindert wurde, wird jetzt behauptet, feste Gedenkstätten seien nicht mehr zeitgemäß – ein Hohn! Das widerspricht auch der Einschätzung von Fachleuten. Als Negativbeispiel werden die niedrigen Besucherzahlen der Gedenkstätte im Hochsicherheitstrakt Europäische Zentralbank vorgeschoben: dabei sollte gerade das doch ein Argument sein, eine besser zugängliche Gedenkstätte zu schaffen! Dass ausgerechnet die Grünen im Römer sich gemeinsam mit ihrem offensichtlichen Wunschpartner CDU dagegen stemmen, ist für mich extrem enttäuschend“, so der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks.

Lothar Reininger, damaliger Betriebsratsvorsitzender der Adlerwerke ist nicht minder verärgert: „Wir haben 1992 die Gräuel des KZ-Katzbach/Adlerwerke öffentlich gemacht und die Einrichtung einer Bildungs- und Gedenkstätte gefordert. Seit fast 30 Jahren hören wir immer wieder Ausreden, warum es gerade nicht geht. Viel zu lange sind diese Verbrechen verdrängt worden – auch und gerade im Frankfurter Gallusviertel. Ein würdiges Gedenken ist unsere historische Verantwortung den Opfern von Katzbach gegenüber. Nach Kassel, Halle und Hanau gibt es kein Rausreden mehr – die Fraktionen müssen sich für oder gegen Geschichtsbewusstsein entscheiden: Bildungs- und Gedenkstätte – Ja oder nein.“

Hintergrund:
Das Konzentrationslager „Katzbach“ in den Frankfurter Adlerwerken existierte in den Jahren 1944/45 und wird von den wenigen Überlebenden als eines der schlimmsten seiner Art beschrieben. Die zumeist polnischen Gefangenen wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsproduktion gezwungen. Nach dem Krieg wurde dieser Teil der Geschichte der Adlerwerke systematisch totgeschwiegen, von der Werksleitung ebenso wie von der Stadt Frankfurt oder den Anwohnerinnen und Anwohnern, die Zeugen des Verbrechens wurden.

2018 beschloss die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, einen Forschungsauftrag zu erteilen, um eine wissenschaftliche Grundlage für eine Gedenkstätte vor Ort zu schaffen. Die historischen Untersuchungen, die das Fritz-Bauer-Institut übernahm, wurden jüngst fertiggestellt und der Öffentlichkeit gestern Abend vorgestellt. Bei der Veranstaltung betonten sowohl Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig als auch der polnische Generalkonsul Jakub Wawrzyniak und Horst Koch-Panzner vom Förderverein zur Errichtung einer Gedenkstätte in den Adlerwerken, dass ein angemessenes Gedenken nur mit einer Gedenkstätte vor Ort erreicht werden kann.


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