Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 074 - 06.12.2012

Ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten in Limburg-Weilburg arbeitet zum Niedriglohn

– darin enthalten sind weder Auszubildende, noch Minijobber oder Selbständige. Auch qualifizierte Arbeitskräfte in der Stadt erhalten oftmals nur einen mickrigen Lohn. Diese Zahlen legt der DGB in einer Studie vor, in der er erstmals regionale Daten zum Niedriglohnsektor auswertet.

In Limburg-Weilburg rutschen Vollzeitbeschäftigte deutlich häufiger in den Niedriglohnsektor als in den alten Bundesländern insgesamt, in denen die Niedriglohnschwelle 2010 bei einem Monatsbrutto von 1.890 Euro lag. Dies gilt für Vollzeitbeschäftigte ohne Berufsabschluss ebenso wie für jene mit Ausbildung. So zählten in Limburg-Weilburg 21 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In den alten Bundesländern insgesamt waren es demgegenüber 16,0 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung. Auch qualifizierte Beschäftigte bekommen also den Druck auf das Lohngefüge zu spüren.

„Dieses hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, so Karl-Rudolf Hauff, der Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Limburg-Weilburg. „Es ist vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job finden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet werden. Trotz Berufsabschluss stecken sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Und je länger diese Situation andauert, desto weniger wert ist die erworbene Qualifikation.“

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. Fast 43,8 Prozent der Geringqualifizierten in Limburg-Weilburg zählen nach der Auswertung zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigter einen Niedriglohn zu erhalten, ist damit für Beschäftigte ohne Berufsabschluss etwa doppelt so hoch wie für Qualifizierte.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch. Nach Einschätzung des DGB haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

„Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener sind hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern“, so Karl-Rudolf Hauff. „Wer behauptet, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liegt falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, sind hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, ist eine Verfestigung der Niedriglohnfalle.“

Der hohe Niedriglohnsektor im Landkreis Limburg-Weilburg ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber in der Stadt vornehmen. Im Landkreis Limburg-Weilburg allein wurden die Meldungen für 31.856 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut  3,9 Mio. Meldungen. 


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