Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 223 - 12.05.2020

PM: Maredo-Beschäftigte seit März ohne Lohn

Mitte März mussten die Frankfurter die Maredo Restaurants auf der Fressgasse und an der Hauptwache mit 35 Beschäftigten im Rahmen der Corona-Krise schließen. Seitdem warten die Beschäftigten auf ihren Lohn. Ebenso wie die rund 900 weiteren Beschäftigten in den 38 Maredo-Restaurants bundesweit.

„Seit März werden sie von Woche zu Woche immer wieder vertröstet“, so Peter-M. Cox, der bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für diese Betriebe zuständig ist und die Beschäftigten berät und unterstützt. „Notgedrungen haben inzwischen viele auf unser Anraten Arbeitslosengeld II beim Jobcenter beantragt. Aufgrund fehlerhafter Lohnabrechnungen des Arbeitgebers musste ein Lösungsweg gefunden werden. Glücklicherweise konnten wir die Sachlage über den DGB und den Jobcenter-Beirat auf Führungsebene klären und mit dem Jobcenter eine schnelle Lösung finden, sodass die Anträge umgehend bewilligt wurden. Ohne gewerkschaftliches Netzwerk ständen die Beschäftigten wohl immer noch ohne Lebensunterhalt da.“

Tahir Mughal, Betriebsratsvorsitzender im Maredo Fressgasse berichtet: „Mir wurden für den Monat März 385 Euro überwiesen – das ist nur etwa ein Viertel des mir zustehenden Gehalts von 1.360 Euro netto für 160 Stunden Arbeit. Mein Bruder Asad war im März im Urlaub, der hat bis heute keinen Cent bekommen.“

Als die Firma Ende März einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hatte, rechneten die Beschäftigten für die ersten drei Wochen im März mit Insolvenzgeld. Allerdings wurde der Antrag dann wieder zurückgezogen und die Beschäftigten erhalten weder Lohn, noch Insolvenzgeld oder Kurzarbeitergeld: den Lohn für die ersten März-Wochen müssen die Beschäftigten nun aus der Insolvenzmasse beantragen. „Die bittere Erfahrung lehrt, dass die Beschäftigten am Ende oft nur einen Bruchteil des ihnen zustehenden Geldes bekommen“, ärgert sich Cox. „Ich befürchte, dass die Beschäftigten die Wochen im März 2020 umsonst gearbeitet haben. Geht man so mit vielen langjährigen Mitarbeitern um?“

Das Management gibt als Grund für die Verzögerungen die hohe Arbeitsbelastung der Agentur für Arbeit an. Dem widerspricht Philipp Jacks, Frankfurter DGB-Vorsitzender und alternierender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit in Frankfurt: „Sowohl aus der Presse als auch aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass es trotz der enorm hohen Arbeitslast bei der Agentur nicht zu solcherlei Verzögerungen bei der Auszahlung des Kurzarbeitergeldes kommt. Im Gegenteil: Ich erhalte nur gute Rückmeldungen über die Schnelligkeit der Bearbeitung von Anträgen. Allerdings hat Maredo versucht  die Insolvenzgeldphase durch Kurzarbeitergeld zu unterbrechen um sie so zu verlängern. Das ist aber nicht möglich, darum zog das Unternehmen den Insolvenzantrag zurück und beantragte Kurzarbeit. Mitte April wurde wiederum Regelinsolvenz beantragt, was zum Wechsel der Zuständigkeiten von Maredo zum Insolvenzverwalter führte. Das alles hat Zeit gekostet, nun die Agentur für Arbeit dafür verantwortlich zu machen, ist unlauter.“

Eine Wiedereröffnung der Restaurants ist derzeit für Anfang Juni geplant, bundesweit werden allerdings 13 Maredo-Restaurants aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht mehr öffnen, so zum Beispiel das Restaurant in Wiesbaden.


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