Deutscher Gewerkschaftsbund

08.01.2015

Kinderarmut in unserer wohlhabenden Stadt

Tausende blieben ohne Weihnachtsfreude

Nach den jüngsten offiziellen Zahlen waren im zu Ende gegangenen Jahr bundesweit mehr als 1,64 Millionen Kinder auf Hartz-IV angewiesen oder lebten in einer entsprechenden Bedarfsgemeinschaft. Das waren 15,5 Prozent. Seitdem gibt es wieder einen Anstieg. „In Frankfurt am Main“, so Harald Fiedler, „finden wir rund 21.500 Kinder in dieser Situation, was 22,5 Prozent entspricht. Besonders an Weihnachten spürten viele Kinder, dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen. Für Hartz-IV-Bezieher war es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Fest zu bescheren“.

Nicht durch Hartz ist Deutschland besser als andere Länder aus der Krise gekommen. Vielmehr unter anderem durch zwei Konjunkturprogramme, verlängertes Kurzarbeitergeld und Arbeitszeitkonten, widerspricht Fiedler der landläufigen medialen Darstellung. „Selbst wenn die Arbeitslosigkeit zum Teil durch die Hartz-Gesetze gesunken wäre“, so Fiedler „war der Preis, den die sozial Benachteiligten dafür zahlen müssen, viel z u hoch. Hartz-IV bleibt eine große Baustelle“.

Fiedler fordert ein grundlegendes Umdenken nach zehn Jahren Hartz- Reformen. „Nur so werden wir den Teufelskreis von Kinderarmut, geringen Chancen in Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt sowie Armut im Alter durchbrechen können“. Um nicht vom Sozial- zum Suppenküchenstaat zu verkommen, fordert Fiedler soziale Leistungen, die Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Die Regelsätze für Kinder will er erhöht sehen. Perspektivisch sei eine Kindergrundsicherung als eigenständige Leistung nötig.

Unser gesellschaftliches Leben hat sich in den letzten Jahren nicht nur weniger sozial, sondern auch politisch problematischer entwickelt. Fiedler warnte deshalb vor einer Spaltung in Privilegierte, die parlamentarische Entscheidungen beeinflussen, und Abgehängten, die kaum noch an Wahlen teilnehmen.


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis

DGB Büro in Frankfurt am Main