Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 037 - 18.04.2012

DGB Frankfurt: Leiharbeit boomt in der Stadt

Neben einem Verlust von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätzen und einen Anstieg der Teilzeitarbeitsverhältnisse expandiert nach der Krise auch die Leiharbeit (siehe hierzu unsere Pressemitteilung vom 16.04.2012). Die Zahl der Leiharbeitsverhältnisse in Frankfurt hat sich in den letzten Jahren um 28,1 Prozent erhöht, so Harald Fiedler, Vorsitzender DGB Region Frankfurt-Rhein-Main. Absolut hat sich die Zahl der Leiharbeitskräfte in der Stadt um 3.341erhöht, während sich im verarbeitenden Gewerbe im gleichen Zeitraum die Anzahl der Beschäftigten um 3.536 bzw. 10,3 Prozent verminderte.

In der Frankfurter Wirtschaft insgesamt hat sich die Zahl der sozial versicherten Jobs in den letzten zwei Jahren um 7.435 auf gut 497.000 erhöht. 45 Prozent dieser neu geschaffenen Arbeitsplätze entfallen allein auf das Verleihgewerbe. In keiner anderen Branche ist die Beschäftigung auch nur annähernd so stark gestiegen. Im Handel, im Baugewerbe sowie im verarbeitenden Gewerbe lag die Beschäftigung Mitte 2011 sogar noch unter dem Niveau von 2009.

Mit dem Boom der Leiharbeit frisst sich schlecht bezahlte und instabile Beschäftigung in den Arbeitsmarkt. Etwa die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse wird nach weniger als drei Monaten wieder beendet, was zu einem sehr hohen Risiko der Arbeitslosigkeit im Verleihgewerbe führt. „Längst dient Leiharbeit nicht mehr nur dazu, personelle Engpässe zu überwinden. Mehr und mehr wird sie von einigen Betrieben systematisch eingesetzt, um mit den schlechten Leiharbeitslöhnen Geschäfte zu machen und die Stammbelegschaften in den Einsatzbetrieben unter Druck zu setzen“, so Harald Fiedler, Vorsitzender der Region Frankfurt-Rhein-Main

Im Schnitt verdienen Leiharbeitskräfte nur gut halb so viel wie Beschäftigte insgesamt. Berücksichtigt man das unterschiedliche Qualifikationsniveau, so verdienen Leiharbeitskräfte mit bzw. ohne abgeschlossener Berufsausbildung im Schnitt über 1.000 € weniger im Monat als in anderen Branchen. Mit der Ausweitung der Leiharbeit breitet sich so der Niedriglohnsektor aus, denn bundesweit arbeiten immerhin drei Viertel der Leiharbeitskräfte unter der Niedriglohnschwelle in den anderen Branchen sind es im Schnitt nur ein knappes Viertel der Beschäftigten. Diese oftmals schlechte Bezahlung im Verleihgewerbe geht mit einem sehr hohen Verarmungsrisiko von Leiharbeitskräften einher. So waren bundesweit Mitte 2011 rd. zwei Prozent aller Beschäftigten arm trotz Arbeit und auf Hartz IV angewiesen. Im Verleihgewerbe war das Verarmungsrisiko etwa viermal so hoch. Hier sind bereits etwa acht Prozent der beschäftigten Leiharbeitskräfte auf Hartz IV angewiesen. Bund und Stadt müssen diese nicht existenz sichernden Löhne im Verleihgewerbe besonders häufig durch ergänzende Hartz IV-Leistungen auf das gesellschaftliche Existenzminimum anheben.

Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Frankfurt am Main 2009-2011

 

 

 

2009

2010

2011

Veränderung

absolut

in v.H.

Verarbeitendes
Gewerbe

34.392

32.077

30.856

-3.536

-10,3

Baugewerbe

13.210

12.855

13.101

-109

-0,8

Handel

42.755

41.761

42.237

-518

-1,2

Gesundheits-
und Sozialwesen

34.973

36.422

37.339

2.366

6,8

Öffentliche
Verwaltung

18.912

20.206

19.876

964

5,1

Erziehung und
Unterricht

13.092

13.746

14.960

1.868

14,3

Leiharbeit

11.901

14.227

15.242

3.341

28,1

Insgesamt
(
jeweils Jahresmitte)

489.767

490.813

497.202

7.435

1,5

 Quelle: DGB-Berechnungen auf der Basis der Beschäftigungsstatistik der BA

 


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