Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 056 - 25.11.2013

Der Meisterbrief muss bleiben! Keine Novellierung durch die EU.

 

Die EU-Kommission hat am 2. Oktober 2013 eine Mitteilung an das Europäische Parlament, den Rat und den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss zur „Bewertung der nationalen Reglementierungen des Berufszugangs“ vorgelegt. Hierin werden die EU-Mitgliedstaaten zu einer Überprüfung und Rechtfertigung der jeweiligen nationalen Reglementierungen des Berufszugangs aufgefordert, da die EU-Kommission in der hohen Zahl von reglementierten Berufen eine Barriere für den Binnenmarkt und damit für Wachstum und Beschäftigung sieht. Von den Plänen der EU-Kommission ist das deutsche Handwerk mit seinen 41 zulassungspflichtigen Handwerken nach der Anlage A der Handwerksordnung (HwO), die zu den regulierten Berufen gehört, im besonderen Maße betroffen.

Die Arbeitnehmergruppe in der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main lehnen diese Reglementierungen ab. Unter dem Deckmantel der Deregulierung als Grundlage für mehr Wachstum und Arbeitsplätze wird der Meisterbrief im Handwerk zur Disposition gestellt, so der Vizepräsident Rainer Mangler van Klev.

Die EU-Kommission verkennt auf eklatante Weise, dass das auch von ihr gelobte duale Ausbildungssystem in Deutschland ohne Qualifikationsanforderungen wie den Meisterbrief nicht möglich ist. Die sehr viel niedrigere Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist nicht trotz, sondern gerade wegen des dualen Ausbildungssystems und der Meisterprüfung zustande gekommen. Unsere feste Überzeugung ist und bleibt: Die Erfolge der dualen Ausbildung und die Spitzenqualifikation Meisterbrief sind zwei Seiten einer Medaille, sagte Mangler van Klev, heute auf der Sitzung der Arbeitnehmergruppe in Frankfurt am Main.

Die zulassungsfreien Handwerke leisten einen erheblich niedrigeren Beitrag zur Ausbildungsleistung als die zulassungspflichtigen Handwerksbetriebe der Anlage A der HwO, die regelmäßig von einem Meister geführt werden. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleichszeitraum 2003 bis 2012 im Fliesen-, Platten und Mosaiklegerhandwerk um über 35 % gesunken, im Gebäudereinigerhandwerk ging sie sogar um mehr als die Hälfte zurück und im Raumausstatterhandwerk ist sie um fast 40 % zurückgegangen. Festzuhalten bleibt damit, dass in den 16.283 zum Jahresende 2012 registrierten Betrieben in den o.g. drei Handwerken nur 221 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden.

In der Regel werden die zulassungsfreien Handwerke nach der HwO-Novelle ohne nachgewiesene handwerkliche Qualifikation geführt. Vielfach handelt es sich hierbei um 1-Mann- oder Kleinstbetriebe, die ohne eigenständige Betriebsstätte betrieben werden. Die Ablegung der Meisterprüfung ist vom Regelfall zum Ausnahmefall geworden. So beträgt die Zahl der abgelegten Meisterprüfungen im Jahr 2012 in den drei Handwerken mit dem stärksten Betriebszuwachs, also dem Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk, dem Raumausstatter- und dem Gebäudereinigerhandwerk, nur noch ein Drittel gegenüber dem Wert des Jahres 2003. Denn weniger Meister bedeutet weniger Ausbildung. Dieser Dequalifizierung in der dualen Ausbildung kann nicht zugestimmt werden, so Horst Koch-Panzner, Handwerkssekretär der DGB-Frankfurt Rhein-Main abschließend.

 

Rainer Mangler van Klev

Vizepräsident der HWK Frankfurt-Rhein-Main, Arbeitnehmergruppe HWK F-R-M

Horst Koch-Panzner

DGB-Region Frankfurt-Rhein-Main

25.11.13


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