Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 146 - 30.09.2016

DGB Wiesbaden-Rheingau-Taunus zum Bericht über Städteranking

„Die Stadt Wiesbaden darf nicht nur Besserverdienenden vorbehalten sein.“

Unter dem Titel „Wem gehört die Zukunft“ hatte der Wiesbadener Kurier über die Ergebnisse eines Städterankings des Instituts der deutschen Wirtschaft, unter Beteiligung der Wirtschaftswoche und Immobilienscout 24, berichtet. Demnach sei Wiesbaden gegenüber der letzten Studie auf Rang 23 abgerutscht. Im Bereich Immobilienmarkt erreichte Wiesbaden den 8. Platz und wurde explizit für den vorherrschenden Mietpreis gelobt. Laut Studie werden „hohe Mieten und Immobilienpreise […] als Attraktivitäts-Indikator positiv gewertet“. München, der Studie nach die attraktivste Stadt Deutschlands, hat einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 14 Euro und ist zugleich die teuerste Stadt zum Wohnen.

Der DGB-Kreisverbandsvorsitzende Sascha Schmidt erachtet diesen scheinbar objektiven Indikator als höchst fragwürdig: „Dass Wirtschaftsverbände und Immobilienunternehmen hohe Miet- und Immobilienpreise als attraktiv erachten, ist aus ihrem Eigeninteresse heraus nachvollziehbar. Ganz anders dürften dies jedoch die vielen Wiesbadener Wohnungssuchenden mit niedrigem Einkommen erachten. Für die offiziell gezählten rund 3200 Wohnungsgesuche, hinter denen ca. 7000 Menschen stehen, erweist sich bereits der aktuelle durchschnittliche Mietpreisspiegel in Höhe von 9,60 € als viel zu hoch“. Diese Zahlen brachte vergangene Woche eine Anfrage im Stadtparlament an das Dezernat für Umwelt und Soziales zu Tage.

Die Zahl der Wohnungssuchenden droht zudem noch zu steigen. Laut Dezernat für Umwelt und Soziales, würden im Zeitraum vom 01.01.2016 bis 31.12.2019 mindestens 910 weitere Wohneinheiten aus der Mietpreisbindung herausfallen. „Auf diesem Weg droht eine weitere Verdrängung von einkommensschwächeren Mietern aus innerstädtischen Wohngebieten. Immer wieder berichten uns Geringverdienende, dass die Hälfte ihres Einkommens durch Mieten aufgefressen wird. Dies erachten die Betroffenen keineswegs als attraktiv, sondern vielmehr als ernsthafte monatliche Belastung“, so Schmidt weiter.

Es gelte also den Mietpreisspiegel in der Stadt zu senken. Die derzeit von einigen Parteien diskutierte Quote von 30 Prozent an Sozialwohnungen bei Neubauten fordert auch der DGB. Es benötige darüber hinaus jedoch weitere Anstrengungen, um bezahlbaren Wohnraum in Wiesbaden zu schaffen und die Stadt auch für Menschen mit geringerem Einkommen attraktiv zu gestalten. „Sonst“, so der Kreisverbandsvorsitzende, „wird die Stadt Wiesbaden zukünftig vorwiegend Besserverdienenden vorbehalten sein.“

Hinweis:

Der DGB Kreisverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus und die Bürgerinitiative „Gemeinwohl hat Vorfahrt“ haben im Juli 2016 einen „Kommunalen Masterplan zur Bereitstellung von bezahlbaren Wohnraum in Wiesbaden“ erstellt und dort zahlreiche Vorschläge zur Lösung des Mangels an bezahlbarem Wohnraum formuliert.

Einsehbar unter: http://frankfurt-rhein-main.dgb.de/presse/++co++e9e4fa16-4cc8-11e6-8b40-525400e5a74a 

Sascha Schmidt

DGB-Gewerkschaftssekretär

Kreisverbandsvorsitzender Wiesbaden-Rheingau-Taunus

Büro Wiesbaden
Bahnhofstr. 61
65185 Wiesbaden

Tel.: 0611 / 40 10 52
Fax: 0611 / 40 01 71

Mobil:0160-97262929


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