Deutscher Gewerkschaftsbund

08.05.2012

"Mensch achte den Menschen" - DGB-Jugend Frankfurt und Mittelhessen besuchten Gedenkstätte in Hadamar

von Christian Begass

Eine Reise in die stets zu vergegenwärtigende Vergangenheit machten Kolleginnen und Kollegen der DGB-Jugend Frankfurt und Mittelhessen. Ein Rückblick auf die Gedenkstättenfahrt zur ehemaligen Tötungsanstalt Hadamar.

Erlebbar und hautnah spürbar waren die Verbrechen der Nazis in der Gedenkstätte in Hadamar. Die 1883 gegründete psychiatrische Klinik wurde im Faschismus zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert. In Deutschland gab es insgesamt 6 Tötungsanstalten, in denen das „Euthanasieprogramm“ der Faschisten in Form von Tötung von ca. 70.000 Menschen durchgeführt wurde. In Hadamar selbst starben in der ersten Phase der sog. „T4-Aktion“ ca. 10.000 Menschen; Menschen mit einem, nicht selten von den Faschisten erfundenen, Krankheitsbild, die nicht in das Weltbild der Faschisten und ihrer Vorstellung von „Rassenhygiene“ passten.

„Egal wie oft wir uns mit dieser Thematik auseinandersetzen, diese Unmenschlichkeit erschreckt einen immer wieder auf ein Neues“, so Christian Begass, DGB-Jugendsekretär in Frankfurt. Von der Garage, in der täglich bis zu 80 Menschen eintrafen, ging es damals durch einen Verschlag in das Haus. Die Opfer, die glaubten, sie wären umquartiert worden, wurden noch registriert und einer gesundheitlichen Untersuchung unterzogen. Diese Untersuchungen waren jedoch eine Farce, dienten sie doch lediglich der Feststellung einer Todesursache, die den Angehörigen in der Todesmitteilung präsentiert werden konnte. Zusätzlich mit einem Zeichen auf dem nackten Rücken wurden  Personen markiert, die nach der Ermordung nicht umgehend verbrannt, sondern seziert werden sollten. Die Gehirne der ermordeten Menschen wurden wissenschaftlichen Zwecken zugeführt und zum Teil bis in die neunziger Jahre in deutschen Universitäten verwendet. Im Keller befanden sich die „Duschen“, aus denen kein Wasser, sondern Kohlenmonoxyd strömte. Qualvoll starben die Menschen in dem kleinen Raum einen Erstickungstod. Schwarzer Rauch und ein beißender Geruch lagen damals tagelang über der Region. Die Menschen wussten ganz genau, was oben auf dem Berg passierte.

Nach der ersten Tötungsphase, die aufgrund einer Predigt und den damit verbundenen Befürchtungen vor größeren Protesten der Bevölkerung eingestellt wurden, folgte die Ermordung von weiteren ca. 4.000 Menschen. Diese wurden nicht mehr, durch die unmittelbar nach Beendigung der ersten Tötungsphase abgebauten Gaskammern und Öfen getötet und verbrannt, sondern häufig mit einer Überdosis an Medikamenten, manche durch eine Spritze getötet, andere ließ man einfach verhungern. Die Leichen wurden in Massengräbern auf dem Friedhof verscharrt. Dieser Friedhof gleicht nach dem Umbau in den 60er Jahren eher einer idyllischen Parkanlage und vermittelt nicht den Eindruck der Schrecken, die mit diesem Ort verbunden sind.

Nur einer von vielen Aspekten, der auf eine mehr als mangelhafte Aufarbeitung hinweist. „Immer wieder erschreckend scheint die Tatsache der mangelnden Entnazifizierung und Aufarbeitung“, so Ulrike Eifler, Jugendbildungsreferentin der DGB-Jugend Mittelhessen. „Warum hat Hadamar, warum haben die Menschen geschwiegen  – sowohl während der Verbrechen, wie auch danach und bis heute?“, fragen sich die jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Passend beendete der hervorragende Referent den Rundgang mit dem Gedicht „Gespräch mit einem Überlebenden“ von Erich Fried und dem Satz: „Morgen wird keiner von uns leben bleiben, wenn wir heute wieder nichts tun.“

Die Teilnehmenden waren berührt von der Reise in die Vergangenheit, die auch immer eine Reise in die Gegenwart bedeutet, denn auch heute werden in der Welt Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihren Neigungen oder ihrer politischen Gesinnung verfolgt, misshandelt und getötet. „Solche Auseinandersetzungen mit der Thematik erinnern mich daran, weshalb es wichtig ist, sich Nazis in den Weg zu stellen“, so Eric Hall, Mitglied des DGB-Jugendrats Frankfurt. 

DGB Jugend in Hadamar

Christian Begass


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